Saarländischer Kartoffelanbau
'Dibbelabbes und Schales bald nur noch mit Pälzer Grumbeere?' – Umweltminister Mörsdorf wirbt für den saarländischen Kartoffelanbau
Gloria, Christa, Linda, Simone, Melina, Laura und Nicola – das sind nicht nur wohlklingende Frauennahmen sondern auch die Namen von einigen der in Deutschland üblichen Kartoffelsorten.
Insgesamt sind in der Bundesrepublik über 200 Kartoffelsorten zugelassen. Die landwirtschaftliche Anbaufläche für den international als typisch deutsch angesehenen Erdapfel schrumpft Jahr für Jahr mit großen Schritten. Bundesweit gesehen wurden im Jahr 2005 rund 11,5 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von mehr als 14 Prozent. Auch im Saarland ist der Kartoffelanbau stark zurückgegangen. Von den ehemals fast 23 500 Hektar Anbaufläche, die es vor Ausbruch des ersten Weltkrieges im Saarland gab, gibt es aktuell im Jahr 2005 nur noch 150 Hektar in landwirtschaftlichen Betrieben. (1960: 9 966 Hektar; 1970: 8 309 Hektar; 1980: 888 Hektar; 1990: 330 Hektar; 2002: 200 Hektar). Die meisten Kartoffeln werden im Landkreis Saarlouis gewerblich angebaut. Insgesamt wurden 2005 im Saarland 4 400 Tonnen Kartoffeln geerntet. 'Das Saarland müsste eigentlich das Kartoffelland schlechthin sein. Die regionale saarländische Küche ist ja schließlich auch eine Kartoffelküche! Ob ‚Geheiradede’, ‚Dibbelabbes’ oder ‚Grumbeer-Kieschelscha’ – die Kartoffel ist Grundlage von fast allen typisch saarländischen Gerichten', so Umweltminister Stefan Mörsdorf. 'Saarlandweit wurden in diesem Jahr rund 4 400 Tonnen Kartoffeln geerntet.
Mit dieser Menge lässt sich aber nur etwa elf Prozent des saarländischen Kartoffelbedarf decken!' Die Gründe für den Rückgang des Kartoffelanbaus sind vielfältig. Weil die Nachfrage nach Speise- und Futterkartoffeln deutlich zurückgegangen ist, wurde auch die landwirtschaftliche Anbaufläche für die Kartoffel deutlich reduziert. Im vergangenen Jahr ist diese bundesweit um fast zehn Prozent geschrumpft. Hohe Preis- und Absatzunsicherheit sowie die steigenden Importe von Speise- und Veredlungskartoffeln aus dem europäischen Ausland bieten vielen Landwirten eine erschwerte Anbau- und Vermarktungsstruktur.
Umweltminister Stefan Mörsdorf hingegen sieht für die saarländischen Betriebe gute Zukunftschancen und Perspektiven. 'Wenngleich der feldmäßige Kartoffelanbau bundesweit stark zurück geht, haben in den vergangnen Jahren etwa zehn bis 15 saarländische Landwirtschaftsbetriebe den Kartoffelanbau neu entdeckt und professionell angebaut.' Hierzu zählen auch Ökobetriebe, die sich gerade mit dem Kartoffelanbau eine neue Existenz aufgebaut haben und seither einen festen Kundenstamm beliefern. Aktuell gibt es im Saarland um die 15 ökologisch wirtschaftende Betriebe, die auf rund 25 Hektar Kartoffeln anbauen. Bei einer Gesamtfläche von insgesamt 150 Hektar Kartoffelanbaufläche beträgt der Anteil der im Ökolandbau angebauten Kartoffeln rund 17 Prozent. Der Rückgang des Kartoffelanbaus hängt maßgeblich mit den Essgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger zusammen. In Folge der veränderten Ernährungsgewohnheiten hat der Kartoffelverbrauch in den vergangenen drei Jahrzehnten ständig abgenommen. 'Leider hat die Kartoffel ihre ursprüngliche Bedeutung als Grundnahrungsmittel verloren. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Kartoffel immer mehr zur Beilage', so Mörsdorf. Lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahre 1950 noch bei 185 Kilogramm, so wurden im Jahre 2004 im Durchschnitt nur noch etwa 40 Kilogramm Speisekartoffeln verzehrt.
'Weil die Kartoffel als Beilage aber zunehmend zu einer Delikatesse wird, muss sie auch als solche vermarktet werden', so Mörsdorf. 'Entgegen aller Prophezeiungen halte ich den heimischen Kartoffelmarkt für ausbaufähig. Die Bürgerinnen und Bürger sind nämlich, was ihren Speisezettel angeht, sehr viel ernährungsbewusster als noch vor einigen Jahrzehnten. Aus diesem Grund sind die Verbraucher heute auch eher bereit, für regional hergestellte und qualitativ hochwertige Produkte ein paar Euro mehr auszugeben. Das betrifft die Kartoffel wie auch andere regional produzierte landwirtschaftliche Nahrungsmittel. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir hier im Saarland einen heimischen Absatzmark für ökologisch hergestellte Ökoland-Produkte haben. Ich würde mich freuen, wenn wieder mehr saarländische Landwirtschaftsbetriebe den Mut zur saarländischen Kartoffel haben.'
Auch die Landwirtschaftsexperten im Umweltministerium bedauern den stetigen Rückgang des Kartoffelanbaus im Saarland aus mehreren Gründen, denn das Saarland verfügt über gute Voraussetzungen für den Kartoffelanbau. Die Böden zwischen Blies, Prims und Saar sind nämlich für Kartoffeln, die keine sehr hohen Ansprüche an die Nährstoffversorgung stellen, gut geeignet. Als Hackfrüchte lockern Kartoffeln außerdem die Fruchtfolge auf und eignen sich deshalb besonders gut für eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit.
Die Kartoffel ist ursprünglich in Peru und Bolivien beheimatet. In Deutschland wurde sie nachweislich zum ersten Mal 1568 angepflanzt, zunächst als Zierpflanze. Im Saarland tauchte sie erstmalig im Jahre 1685 auf. Erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewann sie als Nahrungsmittel immer mehr an Bedeutung.Kartoffeln werden nach Reifezeit in sehr frühe, frühe, mittelfrühe, mittelspäte und sehr späte Sorten eingeteilt: Sehr frühe und frühe Sorten werden im Juni und Juli geerntet. Die so genannten Frühkartoffeln haben eine sehr dünne Schale und enthalten viel Wasser. Da sie schnell keimen und welken, sollten sie innerhalb von zwei Wochen verbraucht werden. Im August und September werden die mittelfrühen Sorten geerntet. Ihre Schale ist fester, und sie können acht bis zwölf Wochen gelagert werden. Späte Sorten werden von Oktober bis Ende November geerntet. Sie besitzen eine dickere Schale und eine gute Lagerfähigkeit. Diese Sorten lassen sich gut einkellern.
Pressemitteilung: Ministerium für Umwelt des Saarlandes
zurück Aktuell Übersicht



